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Die gläsernen Passagen
Stadtwanderung rund um das Palais Royal, von den Ladenpassagen
zum Grévin-Museum.
Dauer: 3 Stunden. 30 Personen maximal.
Durchführbar täglich ausser Sonntags ab 09.00 Uhr oder ab 14.00 Uhr.

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Zu den geheimnisvollsten Reichtümern des alten Paris gehören die versteckten gläsernen Einkaufs-Passagen, in de­nen sich die Passanten schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor Droschken und Reitern in Sicherheit brachten, und die bis heute inmitten des städtischen Verkehrs wahre Inseln der Stille geblieben sind. Fast ausschliesslich auf dem rechten Ufer gelegen, gestatten sie – von der Überquerung einiger Strassen abgesehen – das in diesem Jahrhundert des Automobil-Wahnes längst nicht mehr selbstverständliche, ja nahezu an Wunder gren­zen­de Erlebnis, die Stadt durchweg verschont von Wind und Regen, Verkehr und Abgasen zu Fuss zu durchque­ren. Aneinandergereiht ergeben die neunzehn noch überlebenden und unter Denkmalschutz stehenden Pariser Einkaufspassagen des 19. Jahrhunderts eine Strecke von etwa drei Kilometern. Hinter ihren meist schwierig zu findenden “Einstiegen” bleibt das 20 Jahrhundert zurück. Hier beginnen die von ei­nem Hauch vergangener Zeiten umfangenen Stätten des Flanierens und des Träumens. Wo die asphaltgrauen Bürgersteige farbigen Fliesenmosaiken weichen verbergen sich gläserne Dachkuppeln, reihen sich rechts und links altmodische Fassaden mit ihren von gleichmässigen Holz- und Messing-Arkaden eingefassten Vitrinen an­ein­ander. Hier räkeln sich wohlleibige Halbwelt-Damen aus Stuck über dem Gang, dort schnurrt behaglich eine Katze zwischen Büchern und Ramsch. Die mattweissen gläsernen Kugelleuchter erinnern daran, dass in den Passagen die dazumal sensationelle Gasbeleuchtung ihren Einzug hielt. Darunter wechseln sich ehrwürdige Bücher­an­ti­qua­riate mit Teesalons ab, originelle Spielzeuggeschäfte mit dunklen Pfeifenläden, Antiquitätengeschäfte mit Pa­pier­warenhändlern. Der alteingesessene Graveur betreibt sein nobles Handwerk neben dem Briefmarkentauscher, der Puppendoktor wirkt nah dem Edelstein-“Jäger” und beim Wachsfigurenkabinett Grevin liegt auch das ma­le­ri­sche Hotel Chopin. Zwar bröckelt leise der Stuck ab, bedürfte so mancher schöne Mosaikfussboden dringend der Renovierung, aber die Atmosphäre ist einmalig.
Der Spaziergang in die Vergangenheit beginnt unter der gläsernen Eingangs-Pyramide des Louvre – als weit­läu­fi­ger Nachfahre der alten Ladenpassagen gleichzeitig ein eindeutiges Zeichen für ihre Renaissance. Er führt durch den Louvre des Antiquaires und die versteckten Gärten des Palais-Royal an der Comédie Française vorbei durch zahlreiche Passagen und endet jenseits der Börse beim Grévin-Museum.
Von dort ist es nicht mehr weit zu den grossen Luxus-Warenhäusern bei der Oper, die um die Jahrhundertwende den kleinen Tante-Emma-Läden mit groszügiger Aufmachung und radikaler Preispolitik einen gnadenlosen Kon­kur­renzkampf erklärten. Meisterhaft schilderte Emile Zola in seinem Roman “zum Paradies der Damen”(Au Bon­heur des Dames) die ebenso heroische wie wahnwitzige Standhaftigkeit des kleinen Kaufmanns gegen die über­mächtige Welt der Finanzen und den latenten Untergang der Ladenpassagen, die in einen langen Dornröschen­schlaf fielen, aus dem sie nun allmählich erwachen. Genauso wie im Märchen: nach fast einhundert Jahren.
© Contact Paris

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